Gymnasium des Bistums Essen für Mädchen und Jungen

Um die Ecke gedacht

Die Aufgaben bei der Olympiade sind keine, die man in der Schule lernt. Darum sind eigene Lösungsansätze und -strategien gefragt, wenn in der Uni der Startschuss zur Mathe-Olympiade fällt. Foto:WAZ, Stephan Eickershoff

Algebra und Geometrie heißen die Disziplinen bei der Mathematik-Olympiade im Uni-Hörsaal.Teilnehmer reisen mit Geo-Dreieck und Zirkel zum "Mehrkampf" an.

Etwas müde sehen die jungen Olympioniken aus, die am Samstagmorgen im Uni-Hörsaal sitzen. Vielleicht liegt's daran, dass sie kein spezielles Aufwärmtraining benötigen. Statt Stabhochsprung, Sprint und Schwimmen heißen die Disziplinen nämlich Logik, Algebra und Geometrie. 150 Duisburger Schüler haben sich für die zweite Runde der Mathe-Olympiade qualifiziert. Je nach Schwierigkeitsstufe haben sie eineinhalb oder zweineinhalb Stunden Zeit, um die Aufgaben zu lösen. Bevor die Eltern vor die Tür verbannt werden, halten sie Händchen, drücken Daumen oder schärfen den Kindern ein: "Denk dran, was ich dir gesagt habe."

 

Im Hintergrund, an der Tafel, stehen noch die Formeln der vergangenen Vorlesung "Ay+By-C..." - über zwei Zeilen geht das mathematische Konstrukt, doch Denise (14) lässt sich davon nicht beeindrucken. Sie vertieft sich in ihr Aufgabenblatt und grübelt. Zirkel, Geo-Dreieck, Schmierpapier liegen neben ihr. "In Mathe bin ich gut", sagt die Schülerin vom Franz-Haniel-Gymnasium selbstbewusst. Und der Umgang mit Zahlen mache ihr wesentlich mehr Spaß als einen Text zu interpretieren.

 

Klar, im Unterricht hat sie immer aufgepasst, doch darauf kommt es in diesem Moment nicht an. Sie muss um die Ecke denken, eine Idee entwickeln, welche Zahl sich auf der anderen Seite des Würfels befinden könnte. "Die üblichen Spielwürfel sind nach der Siebener-Regel beschriftet: Die Summe der Augen auf gegenüberliegenden Seiten ist 7. Welche Augenzahlen haben die Würfel in der Abbildung a auf der unteren Fläche?", lautet die Aufgabe. Worüber andere schier verzweifeln würden, kann Denise nur lächeln. Sie überlegt ein bisschen, knobelt und schreibt ihren Lösungsvorschlag hin.

 

"Wir wollten den Kindern eine Möglichkeit geben, sich nicht nur auf sportlicher Ebene miteinander zu messen, sondern auch ihr Mathe-Talent fördern", erklärt Dr. Winfried Mellis, Vorsitzender der "Gesellschaft Duisburg Mathematikwettbewerbe e.V.". Seit zwölf Jahren gibt es die Olympiade in Duisburg. Zuvor hat jede Schule für sich Mathe-Wettbewerbe durchgeführt. Die acht Besten qualifizieren sich für die Teilnahme bei der Mathe-Landesmeisterschaft.

 

Denise hat die drei Aufgaben geschafft. Ob sie weiter gekommen ist, wird sich erst im Dezember entscheiden - jetzt beginnt die Arbeit für Mellis und seine Kollegen, die Tests nachzuschauen. Bei den meisten Kindern zählt indes der olympische Gedanke: "Dabei sein ist alles."

WAZ, 19.11.2007

Experimente mit Gleichung und Formel

WAZ, 19.11.2007


Klar, dass jemand, der eine Mathe-Olympiade organisiert, gut rechnen kann. An der Uni hat Dr. Winfried Mellis nicht nur den Umgang mit Zahlen gelernt, sondern auch das Experimentieren mit Formeln und Gleichungen.

"Die Aufgaben bei der Olympiade sind keine, die man in der Schule lernt. Die Kinder müssen sich mit dem Thema auseinandersetzen und eigene Lösungswege finden", erklärt der Lehrer vom Abtei-Gymnasium. Deshalb helfe auch ein Taschenrechner oder Schummelei nicht. Insgesamt seien die Schüler gar nicht so schlecht, wie die Pisa-Studie vermuten lässt.

"Allerdings nehmen hier aber eine viel kleinere Anzahl von Schülern teil", gibt Mellis zu. Knobeleien haben ihm immer großen Spaß gemacht. Als Kind ist er gerne zur Schule gegangen und diese Freude will er nun an die heutige Schülergeneration weitergeben.

In seiner Freizeit kommt er übrigens selten dazu, sich mit spannenden Mathe-Phänomenen auseinanderzusetzen. "Ich habe vier Kinder, da brauche ich mir über meine Freizeitgestaltung keine Sorgen zu machen", sagt der 54-Jährige lächelnd.

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