Ich wollte nie wiederkommen
VON GREGOR HERBERHOLD, WAZ 12.11.2007
Bernhard Goldfarb, dessen jüdische Familie von den Nazis ermordet wurde, reiste aus Kanada zur "Stolpersteinlegung" vor seinem Elternhaus an. Nach der Feier hatte er Gelegenheit, die Wohnung zu besichtigen.
Ich wollte nie wieder nach Deutschland zurück", erinnert sich der heute 78-jährige Bernhard Goldfarb. Vor 15 Jahren, 53 Jahre nach der Flucht, wagte er die Reise dennoch. "Mit gemischten Gefühlen" fuhr er nach Hamborn. Sofort kamen Erinnerungen hoch. Schöne Erinnerungen. Erinnerungen eines kleinen Jungen: "Ich habe am 8. Dezember Geburtstag", erzählt Goldfarb. "Auf dem Altmarkt gab's damals einen großen Weihnachtsmarkt. Ich habe meinen Vater gefragt, was das zu bedeuten hätte. Und Vater antwortete lächelnd: Das ist alles für Dich ."
Gestern nahm Goldfarb an einer Gedenkfeier zu Ehren seiner Eltern und seines jüngeren Bruders teil, die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurden. Vor dem einstigen Wohnhaus an der Emscherstraße 204, unweit des Hamborner Altmarks, wurden drei "Stolpersteine" in den Bürgersteig eingelassen.
Bernhard Goldfarb floh 1939 im Alter von gerade einmal elf Jahren vor den Nazis nach Holland. Nur ein halbes Jahr später reiste er nach England weiter, wo sich seine drei Jahre ältere Schwester aufhielt. Seine Eltern und der jüngste Bruder wurden nach Riga deportiert und 1945 für tot erklärt. Bernhard und seine Schwester Edith, die bis November 1938 das Hamborner Mädchen-Gymnasium besuchte (das heutige Abtei-Gymnasium), waren zu dem Zeitpunkt noch in England. Seine Schwester heiratete mit 19 Jahren und wanderte mit ihrem Mann nach New York aus. Bernhard blieb alleine in England. Später zog Edith nach Kanada, bat ihren Bruder, doch nachzukommen. "Ich wollte gar nicht nach Kanada", erinnert er sich schmunzelnd. "Ich dachte: Da ist es immer kalt. Aber ich versprach: Ich komm' zu Besuch. Das war vor über 50 Jahren. Und ich bin immer noch dort."
Morgen reisen Bernhard Goldfarb und seine Familie nach Amsterdam zurück, wo er seine Europa-Reise beenden wird. Seine Schwester Edith (81) konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Stolpersteinlegung kommen.
Schüler des Abtei-Gymnasiums gestalteten eine kleine Gedenkfeier. Sie trugen mehrere Musikstücke und Gedichte vor. Zudem betete Rabbiner Jaacov Zinvirt in hebräischer Sprache.
Gleichzeitig wurde gestern ein weiterer "Stolperstein" zum Gedenken an Ida Garenfeld in Beeck am Marktplatz 4 verlegt. Ida Garenfeld, geb. 1867, wurde am 24.7.1942 ins KZ Theresienstadt deportiert, wo sie 1943 starb. Auch in Beeck sorgten Schüler (von der Theodor-König-Gesamtschule) für den feierlichen Rahmen bei der Steinlegung.






