Gymnasium des Bistums Essen für Mädchen und Jungen

Jugend denkt Europa

Jugend denkt Europa

WAZ Duisburg, 10.09.2008, Von David Huth,

Die Europäische Familienpolitik im Jahr 2020 ist Thema am Abtei-Gymnasium

Die Europäische Union ist für viele Menschen weit entfernt, aber nicht für die Schüler des Abtei-Gymnasiums in Hamborn. Gemeinsam mit Schulen aus Geldern, Xanten und Slowenien nehmen die Gymnasiasten an der Projektwoche der Initiative "Jugend denkt Europa" teil. Die Schüler diskutieren, entwickeln eigene Ideen für eine europäische Familienpolitik im Jahr 2020 und empfinden in einem Planspiel die Politik in Brüssel und Straßburg nach. "Durch die Projektwoche soll bei den Schülern ein Bewusstsein für das Thema Europa entstehen", sagte Nora Schramm, Politiklehrerin am Abtei-Gymnasium. In der kritischen Auseinandersetzung mit der EU sollen die Zehnt-Klässler ein Gefühl für die Bedeutung der europäischen Politik bekommen. Dabei standen den jungen Menschen Nese Kartal vom Amt für Europaangelegenheiten der Stadt und Markus Hoppe, Sprecher des Politikwissenschaftlichen Studenten-Netzwerks der Universität Duisburg-Essen, zur Seite. Sie gaben den Schülern Einschätzungen, wie realistisch ihre Ideen für die Zukunft Europas sind. "Sehr fasziniert bin ich, dass bei den Schülern die sozialen Aspekte im Vordergrund stehen", lobte Nese Kartal. "Politiker und Wissenschaftler vernachlässigen diese Gesichtspunkte gerne." Aber für die Schüler spielten gerade die sozialen Probleme der Familien in Europa eine entscheidende Rolle. Förderung von Kindern und Eltern, Verbesserung der Lebensumstände und mehr Chancen im Bildungssystem sollten ganz oben auf der Tagesordnung stehen.

 

"Das ist unsere Zukunft, über die wir hier diskutieren", sagte Lea Cerny (16). Deshalb ist es für sie wichtig, sich mit Europa zu beschäftigen. Die europäische Politik steht noch bis zum Ende der Woche auf dem Lehrplan.

 

 

 

 

 

 

 

 

"Jugend denkt Europa": Das Planspiel soll drei NRW-Schulen zeigen, dass die EU nichts Abstraktes ist.

NRZ,10.09.2008, Katrin Martens

DUISBURG. Ihre fiktive Partei haben sie JASMAH genannt. Es sind die Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen: Julian, Alina, Sven, Marius, Adrian und Hannes. Ideen für eine bessere Familienpolitik haben die sechs Zehntklässler des Duisburger Abtei-Gymnasiums reichlich. In ihrem Parteiprogramm fordern sie unter anderem ein höheres Kindergeld und kostenlose Schulbücher. Eine Woche lang macht die 10d zusammen mit je einer Klasse der Walter-Bader-Realschule in Xanten und der Liebfrauenschule in Geldern beim Planspiel "Jugend denkt Europa" mit.

Klaus Hänsch, der große Unbekannte

Europa ist für Jugendliche ein schwieriges Thema. "Langweilig!" und "uninteressant!", sagen viele. Bei der Europawahl 2004 gaben gerade mal 30 Prozent der Jungwähler ihre Stimme ab. Auch am Abtei-Gymnasium antworten die Schüler auf die Frage nach Brüsseler Politikern, Parteien oder Themen mit Achselzucken. Den Europaabgeordneten ihrer Stadt, Klaus Hänsch, kennen sie nicht. "Wenn ich aber später wählen gehen darf, würde ich mich vorher informieren", sagt Sven (16).

Auf Information setzt die Initiative "Jugend denkt Europa". In dieser Woche ist NRW dran. Es geht um die Familienpolitik im Jahr 2020. "Wir wollen Schüler für Europa begeistern und ihnen zeigen, dass die EU nichts Abstraktes ist, sondern dass sie selbst etwas bewegen können", sagt Nina Björstrand, Moderatorin der Projektwoche. Bewegt haben die Zehntklässler in den letzten drei Tagen vor allem ihre schwarzen Filzstifte. Überall hängen Poster mit bunten Zetteln, Pfeilen, Tabellen. "Familienpolitik ist ein gutes Thema", sagt Alina (15). "Wir haben alle selbst Familie und teilweise auch Mütter, die lange arbeiten. Da können wir uns gut 'reindenken'."

 

Die 10d hat ihre Ideen gleich auf Englisch formuliert - kein Problem für die bilinguale Klasse. "Ich finde flexible Arbeitszeiten sehr wichtig", sagt Anna (15) von der (fiktiven) Partei F.F.P. "Und dass Frauen so viel Geld verdienen wie Männer." Eine andere "Partei" plädiert für die Ganztagsschule und längeren Mutterschutz. Weitere Forderungen: "Keine Steuern für große Familien!" und "Gratis-Kindergärten!".

 

Es sind mitunter utopische Ideen, die die Schüler im Eifer der Gedankensammelei entwickelt haben. Aber: "Utopische Ideen sind erlaubt", sagt Nina Björstrand. Wie das alles bezahlt werden soll und ob die Europäische Union für derlei Fragen überhaupt zuständig ist, ist erst mal Nebensache. Viel mehr zählt, dass die Jugendlichen lernen, wie alles in der Politik zusammenhängt. "In Deutschland ist Familienpolitik in erster Linie Geldpolitik", sagt Nese Kartal vom Amt für Europaangelegenheiten der Stadt Duisburg, die als Expertin im Abtei-Gymnasium zu Gast ist. Doch eine höhere Geburtenrate hängt nicht nur vom Kinder- oder Elterngeld ab. Arbeitszeiten, ausreichende Betreuungsmöglichkeiten, Spielplätze, das Bildungssystem - alles spielt eine Rolle.

 

"Jugend denkt Europa" lehnt sich an das bundesweite Schule-Wirtschaft-Projekt "Jugend denkt Zukunft" an, das Schüler mit Unternehmen zusammenbringt. Die Initiative wird von der Robert-Bosch-Stiftung gefördert. Morgen treffen sich alle Teilnehmer in Geldern zur Abschlusspräsentation. Klaus Hänsch wird auch dabei sein. Eine gute Gelegenheit, ihn kennenzulernen.

 

 

 

Weiterer Link:

http://www.wdr.de/themen/politik/europa/jugend_denkt_europa/080911.jhtml?rubrikenstyle=politik

Europapolitik zum Anfassen

Rheinische Post, 25.09.08

(ana) Ganztagsschulen und - kindergärten, eine solide finanzielle Linierstützung für Familien, eine bessere Ausstattung der Schule, Benotung von Lehrern und das Fach "Europakunde". Wenn - wie jetzt am Abtei Gymnasium - Schüler darüber diskutieren, wie die zukünftige Familienpolitik Europas ausse­hen soll, dann sind ihre Einfälle zahlreich, fantasievoll und in vielen Fällen sehr vernünftig.

In dem Hamborner Gymnasium war die Initiative "Jugend denkt Europa" mit dem Innovationsspiel zu Gast. Eine Partnerschule in Slowenien nahm zudem über das Internet an der Veranstaltung teil. Das von der Robert-Bosch-Stiftung geförderte und in Zusammenarbeit mit dem "Network of European Foundations"; (NFF) realisierte Projekt will vor allem das Interesse der Schüler an Europa wecken. "Unser Hauptanliegen ist es, den Jugendlichen zu zeigen, dass Europa nichts Abstraktes ist. Sie sollen sehen, dass man selbst etwas in der Europapolitik bewegen kann, wenn man die politischen Vorgänge kennt", so Nina Björstrand, Leiterin der Projektwoche.

Um einen Einblick in die aktuelle Europapolitik zu erhalten, lieferten echte Europaexperten erste Denkanstöße durch kurze Vorträge. So sprachen Nese Kartal, Integrations­büro der Stadt Duisburg, und Mar­kus Hoppe, Sprecher des Politik­wissenschaftlichen Studenten-Netzwerkes der Uni Duisburg-Es­sen, über die aktuelle Europapoli­tik. "In der Familienpolitik sind Querthemen zu vielen anderen politischen Themen zu finden", so Nese Kartal. Sie machte deutlich, dass ein finanzieller Anreiz allein nicht reiche, um die Lage der Famili­en in Europa zu verbessern. "Wir brauchen auch eine bessere Kin­dergarten- und Schulpolitik".

Die Schüler nutzten die Denkan­stöße der Experten, um in Arbeits­gruppen ihre eigenen Vorstellung zu entwickeln. Ihre Ideen präsen­tierten sie schließlich in einer gro­ßen Runde.

Julian Wagner gefiel die Projekt­woche außerordentlich gut: "Die­ses Format ist ganz anders, als der normale Unterricht. Früher habe ich mir nicht viele Gedanken über Politik gemacht. Wenn ich jetzt aber etwas über Europapolitiker in der Zei­tung lese, kann ich endlich mitre­den", so der 15-Jährige. Auch Bar­bara Kuster, Koordinatorin der lni­tiative "Jugend denkt Europa" am Abtei-Gymnasium, war beein­druckt. "Dieses Projekt geht über die üblichen Unterrichtsdimensionen hinaus."


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