Gymnasium des Bistums Essen für Mädchen und Jungen

"Lasst den Worten Taten folgen"

Die Zehntklässer verfolgten gespannt den Vortrag des bosnischen Bischofs Franjo Komarica. Foto: R. Raffalski

NRZ, 27.05.09, Gregor Herberhold

Bosnischer Bischof Franjo Komarica sprach vor Schülern des Hamborner Abtei-Gymnasiums

Hoher Besuch in Hamborn: Am Dienstag verbrachte der bosnische Bischof Dr. Franjo Komarica fast einen ganzen Tag im Abtei-Gymnasium. Der Geistliche stammt aus der Region, in der sich die Johannes-Paul-II-Schule, Partnerschule des hiesigen Gymnasiums, befindet. Der Besuch stand daher ganz im Zeichen des Gedankenaustausches und der Vertiefung von Freundschaften.

Der Bischof nutzte aber auch die Gelegenheit, die Schüler über das Land und das Leben nach dem Krieg zu informieren. Eine flammende Rede, in der er für mehr Gerechtigkeit in der Welt plädierte und fürs friedliche Miteinander warb, egal welcher Religion man angehöre. Zunächst gab Komarica, der in Österreich studiert hatte und deshalb gut Deutsch spricht, einen Überblick über die Geschichte des kleinen Landes Bosnien und Herzegowina, das seine Heimat ist. Er schilderte, wie das künstliche Staatengebilde "Jugoslawien" nach dem Zweiten Weltkrieg entstand. "Es wurde zusammengebastelt", sagte der Kirchenmann vorwurfsvoll. Und er berichtete, wie in den 1990er Jahren die Vertreibung der Menschen einsetzte, weil verschiedene ethnische Gruppen Ansprüche geltend machten und das Land für sich allein wollten. Die Katholiken, sagte der Bischof, hätten sich ans Gebot der Feindesliebe gehalten. "Wir versuchten, die Feinde mit Worten zu überzeugen." Vergeblich: Viele Menschen wurden ermordet. Was Franjo Komarica noch heute, 14 Jahre nach Ende des Krieges, sichtlich erzürnt: Dass damals die ganze westliche Welt, und ganz besonders die deutsche Bundesregierung zugeschaut habe, ohne etwas zu unternehmen. Oft mit dem Hinweis: Man sei machtlos, könne nicht einschreiten. "Sowas nennt man Pharisäismus."

Die Jugendlichen rief er auf, sich gut zu informieren, den Egoismus der heutigen Zeit abzulegen und im späteren Berufsleben nicht nur Liebe zu predigen, sondern den Worten auch Taten folgen zu lassen.

Im kommenden Jahr, wenn das Projekt Kulturhauptstadt 2010 startet, will sich das Abtei-Gymnasium mit einer eigenen Aktion beteiligen: Es will ein Schulkulturcamp einrichten und etwa 150 Austauschüler aus Bosnien aufnehmen. Noch in diesem Jahr wollen hiesige Pennäler die Partnerschule in Bihac besuchen.

 

DER BOSNIENKRIEG

Über 60 000 Katholiken vertrieben

Bischof Dr. Franjo Komarica hat seinen Sitz in Banja Luka. Die Stadt liegt im Norden von Bosnien und Herzegowina. Der heute 64-jährige studierte in Innsbruck Theologie. Während des Bosnienkrieges (1992-1995) musste er miterleben, wie nahezu die gesamte Katholische Gemeinschaft vertrieben wurde. Von ursprünglich 70 000 Katholiken leben heute nur noch 6570 in seiner Diözese.

 

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