Gymnasium des Bistums Essen für Mädchen und Jungen

Nur nicht in Vaters Fußstapfen

Unternehmer Rainer Stromberg musste als Jugendlicher wegen schlechter Leistungen die Schule verlassen. Wieso er trotzdem Chef des elterlichen Betriebs wurde, erzählte er Abtei-Schülern.

 

 

Von Gregor Herberhold.


Die Aufmerksamkeit, die die Zwölftklässler des Abtei-Gymnasiums gestern Rainer Stromberg vom gleichnami­gen Handwerksunternehmen schenkten, würde sich man­cher Lehrer wünschen: Die jungen Leute hingen dem Chef der Hamborner Firma Strom­berg Oberflächentechnik buchstäblich an den Lippen.

Der Wirtschaftsboss war auf Einladung der Oberschule in den Unterricht gekommen, um den angehenden Abituri­enten aufzuzeigen, was man tun .muss, um beruflich erfolg­reich zu sein.

Sie hätten keine bessere Wahl treffen können: Der 41-­jährig erzählt kurzweilig und locker, strahlt das pure Selbst­vertrauen aus, er ist ein Ener­giebündel, ein Mann, dem man das, was er erzählt, abnimmt.

Und: Stromberg ist streng. Zwischenfragen lässt er zu, Gemurmel dagegen nicht. Das macht er gleich zu Beginn seines Vortrags klar. Er weiß, wie man sich Gehör ver­schafft, aber auch, wie man das Publikum fesselt. Eigenschaf­ten, die er im beruflichen All­tag braucht

Die jungen und Mädchen staunen, wie er über sein Un­ternehmen spricht, über sei­nen Werdegang. "Hängenge­blieben" ist Rainer Stromberg in der zehnten Klasse. Mit drei

"Schnell viel Geld verdienen und Porsche fahren."

Fünfen. Statt eine Ehrenrunde an seiner alten Schule zu dre­hen, kam er aufs Internat, wo er sein Abi baute. Danach be­gann er ein Wirtschaftsstudi­um, um alles zu werden, bloß nicht das, womit sein Vater seine Brötchen verdiente: An­streicher. Aber alles kam an­ders: Während der Uni-Zeit lernte er einen Kommilitonen kennen, der ebenfalls aus einem "Malerbetrieb" kam. Die Firma im Stuttgarter Raum schaute sich der Duisburger an -und begann wenige Tage spä­ter eine Anstreicherlehre. Sei­nen Uni-Abschluss (Volks­wirtschaftslehre) bestand er mit Bestnoten. Seinen alten Traum, "schnell viel Geld ver­dienen und Porsche fahren", tauschte er zunächst gegen "spannende Jahre" als Baulei­ter in Paris, Cannes und Jeru­salem, später gegen eine Fami­lie mit zwei Kindern und den Job im väterlichen Betrieb ein. 60 bis 70 Stunden arbeitet er jetzt pro Woche, hat 28 Tage Urlaub im Jahr - aber dafür die Zusage, die Firma in fünf Jah­ren allein führen zu dürfen. Die ist inzwischen zu einem Großbetrieb aufgestiegen, den Stromberg aber immer noch "Familien- und Handwerksbe­trieb" nennt. Obwohl er inzwi­schen 400 Mitarbeiter hat.

Was die Schüler aus der Stunde mitnahmen. Auch in heutigen Zeiten kann man Karriere machen. Aber: Erfolg kommt nicht von alleine.

Die Firma Stromberg hat vor drei Jahren ihren Sitz nach Hamborn verlegt. Ursprünglich stammt sie aus dem Duisburger Süden. Gegründet wurde sie 1904 als Malerbetrieb mit drei Mitarbeitern. Heute beschäftigt das Unternehmen, das u.a. Stahl- und Betonsanierung und Wärmedämmung an Gebäuden durchführt, 400 Mitarbeiter. Zu den Auftraggebern zählen Thyssen, aber auch Kraftwerksbetreiber, Krankenhausgesellschaften und Immobilien-Unternehmen.

 

WAZ, 25.05.07

 

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