Forscher Drang
WETTBEWERB. Der Abtei-Gymnasiast Alexey Grinin gehört in NRW schon zu den Besten im Fach Chemie. Nun will er mehr.
Alexey Grinin schwänzt ziemlich regelmäßig den Unterricht. Seine Lehrer am Abtei-Gymnasium sehen das mit einem gewissen Wohlgefallen. Schulleiter Thomas Regenbrecht auch. Denn der 19-Jährige schwänzt ja nicht im üblichen Sinne. Wenn die 12. Jahrgangsstufe Vokabeln büffelt oder sich am Reck verrenkt, hockt Alexey als Schüler-Student hübsch konzentriert im Uni-Hörsaal und lädt seinen Wissensspeicher mit Physik-Formeln auf. Drei Stunden pro Woche. Davon hat er etwas. Die Schule auch.
Den Sonderpreis hätte er fast "vergessen"
Das Ansehen des "Abtei" dürfte einen weiteren Schub erfahren. Denn der so bescheidene wie wissbegierige junge Mann ist soeben für seine Teilnahme an Stufe 2 der 39. Internationalen Chemie-Olympiade geehrt worden. Als einer der 20 Besten. Chemie jetzt, nicht Physik? "Naturwissenschaften faszinieren mich. Sie helfen zu verstehen, wie die Welt aufgebaut ist", sagt Alexey schlicht und schaut dabei, als wäre das das Selbstverständlichste der Welt. Da ist für ihn Physik nicht uninteressanter als Chemie - oder die Mathematik, die ihn zuerst gepackt hatte.
Dass er aus Leverkusen auch noch einen Sonderpreis mitgebracht hat, ach ja, das hat er glatt unterschlagen. Aber dafür hat er ja Chemie-Lehrerin Dr. Gertrud Wiese, die ihn nach Kräften unterstützt.
Nächstes chemieolympisches Ziel ist Berlin, sind Workshops und zwei fünfstündige Klausuren. Ja und? Das kann Alexey nicht aus der Ruhe bringen. Das Einzige, das ihn ein bisschen wurmt, ist, dass er bei einer Physikklausur an der Uni den erhofften Schein verpasst hat. War nicht zu verhindern. "Ich habe mehr Zeit für die Chemie-Olympiade verbracht." Aber das lässt sich richten. Erst einmal möchte er über Berlin nach Kiel, und dann nach Moskau, wo die 39. Internationale Chemie-Olympiade im Juli endet.
Wozu Alexey Grinin fähig ist, hat er schon bewiesen. Vor gerade fünf Jahren mit den Eltern aus Wolgograd gekommen, spricht er längst makellos deutsch. Und ist auf dem Weg zu einem Parade-Abi.
Das heißt jetzt nicht, dass er in der Schule gemieden wird. "Alle haben gratuliert", strahlt er. "Wenn mich jemand bittet, helfe ich gerne." Gut zu wissen: Chemie und Physik sind nicht eben jedermanns Sache.
Günter Pütz, NRZ, 07.02.07
Einfach Spaß am Lernen
Von Andrea Micke, WAZ Duisburg-Nord, 08.02.07
"Als Schule sind wir einfach nur glücklich, dass wir diesen Schüler haben", sagt Thomas Regenbrecht, Direktor des Abtei-Gymnasiums. Dieser Schüler, das ist Alexey Grinin. Er ist 19 Jahre alt, in der Jahrgangsstufe 12, und ja, er steht in fast allen Fächern "eins". Aber das ist lediglich eine Randerscheinung nicht das, weshalb die Schule so glücklich über Alexey Grinin ist. Der 19-Jährige macht bei der Internationalen Chemie-Olympiade mit. In die dritte Runde ist er dort bislang gekommen und gehört damit zu den 60 besten Schülern im Fachbereich Chemie bundesweit.
Zweimal schon bekam der Duisburger - in Runde eins und zwei - Hausaufgaben. "Die ersten Aufgaben waren noch einfach", sagt Grinin. In der zweiten Runde wurde es schon heftiger. Und Grinins Chemielehrerin Dr. Gertrud Wiese sagt: "Diese Aufgaben sind teilweise so, dass die Lehrer sie nicht lösen können."
Alexey Grinin gibt sich selbstbewusst, was die dritte Runde betrifft. Da finden vom 22. Februar bis zum 2. März
"Ich denke, ich habe ganz gute Chancen"
Auswahlseminare für je 30 Schüler in Köln und Berlin statt. "Ich glaube, ich habe ganz gute Chancen", sagt der 19-Jährige. Ob es dann noch weitergeht, das ist die Frage. Eine vierte Runde wäre ein Vorbereitungsseminar für Schüler in Kiel in der Zeit vom 29. März bis zum 5. April. Die vier Besten dieses Seminars dürfen dann Deutschland beim Internationalen Wettbewerb im Juli in Russland vertreten.
Apropos Russland. Für Alexey Grinin wäre es dort ein wenig ein Heimspiel. Die Familie kam vor fünf Jahren aus Russland nach Deutschland. Damals sprach Alexey Grinin noch gar kein deutsch. In der Schule hatte er Englisch und Französisch gelernt. Probleme, sich hier einzuleben, die Sprache zu erlernen, habe er nicht gehabt. "Ich war noch relativ jung, da ging es", sagt der Schüler.
Ob er denn viel lerne. "Ich lerne für die naturwissenschaftlichen Fächer, aber nur um des Wissens willen", sagt Grinin. Kurz, er hat einfach Spaß am Lernen. Bei den Geisteswissenschaften sei es anders. Da tue er nicht viel, sei aber gut, weil sein Vater auch Lehrer sei und er deshalb viel wisse.
An den Naturwissenschaften mag Grinin die Klarheit. "Sie sind exakt, es gibt ein Ja oder Nein, anders als im Fach Deutsch, da sind mehrere Antworten möglich", sagt er. Früher habe er sich sehr viel mit Mathematik beschäftigt. Aber
"Der Glaube ist für mich das Geistige"
Mathematik habe ihm zu wenig mit der Realität zu tun. "Sie ist zu abstrakt", so Grinin.
Der Schüler, der mit dem Abtei-Gymnasium ja eine katholische Schule besucht, ist selbst auch gläubig und sieht keinen Widerspruch zwischen Wissenschaft und Glaube. ?Der Glaube ist für mich das Geistige, die Wissenschaft das Materielle, ich sehe das getrennt", so Grinin.
Sonntagsvormittags geht er dann auch immer zur Kirche. Der Sonntagnachmittag gehört der Familie und Freunden. "Sport mache ich auch", sagt der Schüler. Joggen, Training mit Hanteln und freitags Volleyball.
Im Moment wälzt er natürlich viele Chemiebücher. Ob es einem Lehrer nicht Angst mache, wenn die Schüler vielleicht schon mehr könnten? Schulleiter Regenbrecht dazu: "Das ist doch das Beste, was uns als Lehrer passieren kann, dass unsere Schüler besser als wir werden." Ganz gleich, wie weit Grinin bei der Olympiade kommt, ein Sonderpreis, ein zweiwöchiges Praktikum bei der Bundesforschungsanstalt in Jülich, ist ihm sicher. "Das ist das, was sonst Doktoranden machen", so der Direktor.
Alexey Grinin liegt gut im Rennen. Bei der 39. Internationalen Chemieolympiade hat er bislang die dritte Runde erreicht.
Herzlichen Glückwunsch!
Wir wünschen weiterhin viel Erfolg!







