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Kroatien - immer eine Reise wert!

In der Nacht zum 24.September 2015 machten sich 45 Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren drei Lehrkräften zur Halbinsel Istrien in Kroatien auf. Alle Beteiligten waren auf die kulturellen, kulinarischen, landschaftlichen und mediterranen Highlights dieses jüngsten Mitglieds der EU neugierig.

Nach 16stündiger Busfahrt ohne Staus und Pannen lag der Ferienpark in der Ortschaft Medulin vor uns, etwa 10 Disselkamp - Kilometer von der ehemals von Römern besiedelten Stadt Pula entfernt. Die Freude war groß, denn der Ferienpark reichte direkt ans Meer und die südliche Sonne tat ihr Übriges auf angenehme Art. Zuerst wurden die Appartements gesichtet und bezogen, eine Bestandsaufnahme des Inventars gemacht und die Parkanlage auf ihre diversen Möglichkeiten hin erkundet.

Bald überschattete der Duft gebratenen Fleisches aus der Kochnische „maskuliner“ Appartements den Geruch blühender Oleandersträucher. Nichts aber kann schöner sein, als bei Dunkelheit im Mondschein am rauschenden Meer entlang einen kleinen Spaziergang zu machen und dabei die jodhaltige Luft einzuatmen. Genau das war das Programm des ersten gemeinsamen Abends. Weil Elwis, der Busfahrer, selbst Kroate, am nächsten Tag eine Ruhepause brauchte, machte sich die kulturbeflissene Gruppe zu Fuß auf den Weg nach Pula. In voller Erwartung der auf sie wartenden Sehenswürdigkeiten der Antike, insbesondere des wunderbar erhaltenen Amphitheaters, scheute die ganze Gruppe nicht diesen ausgedehnten Spaziergang mit Meerblick bergauf, bergab, vorbei an Feldern, einer idyllisch gelegenen Müllentsorgungsanlage und Wäldern. Dann war endlich Pula erreicht, das Kanaan aller Fans der Antike und die Belohnung für alle Lightstrapazen. Unter der Schülerschaft fanden sich junge ambitionierte Guides, die Pulas Schätze mit ihrem fundierten Wissen der gesamten Gruppe entzauberten. Von den Höhen der Kultur ging es dann am späten Nachmittag in die Niederrungen des Konsums, denn Lidl war der Anlaufpunkt. Elwis hatte seinen Bus so am Lidl Parkplatz platziert, dass die vollgepackten Einkaufswagen mühelos in den Buskatakomben entleert werden konnten.

Der Freitagabend, und nicht nur dieser Abend, stand im Zeichen des 43igers. Der 43iger war ursprünglich ein Appartement, das in den folgenden Tagen zu einer vom Nebel und Lärm bestimmten Grotte mutierte. Die Gäste dieses „Établissement public“ sprachen meist miteinander per Handy oder „sangen“ Lieder mit eingängigen Texten, die in den Charts des Ballermann ihren Platz gewiss gefunden hätten. Gelegentlich zappelten die Besucher sogar rhythmisch zu den Bassorgien. Es blieb ein Rätsel, wie zu vorgerückter Stunde in diesem Raum geschlafen werden konnte.

Bale, Porec und Rovinj sind drei Städte Istriens, die der Reisende besucht haben muss. Da diese von antiker Kultur geprägten Städte weit auseinander liegen, chauffierte uns Elwis am Samstag mit seinem Bus. Erneut waren die Besichtigungen nicht planlos, sondern von kompetenter Führung geleitet. Die jeweiligen Altstädte hatten ein Flair, das unbedingt zum längeren Verweilen oder einem erneuten Besuch reizte. Was wäre eine solche Studienreise ohne einen kurzen Aufenthalt in einem ortstypischen Krankenhaus. Tri Khang Do, ein talentierter Basketballer in unseren Reihen, klagte über zunehmende Schmerzen in seinem Knie. Eine kleine Splittergruppe wurde von Elwis auf der Rückreise nach Medulin in Pula an der Notaufnahme eines Krankenhauses abgesetzt. Zu spät wurde das Quartett gewahr, dass das Krankenhaus den Titel „Gynäkologie“ trug. Der Bus war weg. Also musste ein Taxi her, das uns quer durch Pula fuhr und zu dem Krankenhaus brachte, in dem Tri Khang geholfen werden konnte. Mehr als eine Röntgenaufnahme und eine auf Kroatisch abgefasste Diagnose war nicht drin. Doch die Schmerzen ließen in den nächsten Tagen merklich nach. Elwis ließ es sich aber nicht nehmen, uns zusammen mit unserem „Lazarus“ aus Pula mit seinem Bus abzuholen. Die beiden ersten Tage hinterließen bei der Gruppe deutliche Ermüdungsspuren.

Schon im Genesisbericht wird der Mensch dazu angehalten, den siebten Tag in Ruhe zu begehen und dem Herrn zu dienen. In Kroatien sind etwa 90% der Bevölkerung katholisch. Die Möglichkeiten, sonntags einen Gottesdienst zu besuchen, sind daher wirklich vielfältig. Also machten wir uns zur Kirche in Medulin auf und nahmen am Gottesdienst um 10.30 Uhr teil. Danach aber herrschte wirklich Ruhe im Ferienpark und jeder ging tagsüber selbständig seiner Wege. Pula bei Nacht, das angestrahlte Amphitheater, die spärlich beleuchteten Gassen, die in Pulas Hafen hin und her schwankenden Schiffe, deren Masten mit ihrem Geklimper stimmungsvoll musizierten, all das sollte der Gruppe nicht vorenthalten werden. Deshalb fuhr uns Elwis noch am Sonntagabend in diese schöne Stadt mit ihrer malerischen Ausstrahlung. Die anstehende Nacht wurde durch ein Konzert unterbrochen, das zu Ehren der Feier der Volljährigkeit Jan-Niklas Plincners gehalten wurde. Während alle Beteiligten aus voller Kehle und mit warmem Herzen sangen, überkam den Jubilar ein Schwall von Emotionen, die er in der Zeit seiner Minderjährigkeit nicht erlebt hatte.

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen der sportlichen Ertüchtigung, die sowieso ein Wesensmerkmal der gesamten Studienfahrt werden sollte. Nachdem wir in den ersten Tagen gelaufen waren, stiegen wir nun auf Mountainbikes um. Obwohl wir ja eine Gruppe von 48 Leuten waren, standen uns aber nur 17 Fahrräder zur Verfügung. Dies ist nicht etwa der Tatsache geschuldet, dass der Fahrradverleih nicht weitere Räder zur Verfügung stellen konnte, sondern die gesamte Gruppe sollte in drei Kleingruppen aufgeteilt und die Mountainbikes über den Tag verteilt an vereinbarten Stützpunkten jeder Gruppe weitergeleitet werden. Was in der Theorie ein Kinderspiel zu schein schien, erwies sich in der praktischen Umsetzung als eine strategische Herausforderung, der das verantwortliche Personal nicht immer gewachsen zu sein schien. Aus einer überschaubaren Sonntagsnachmittagsseniorenradtour mit gemütlichen Pausen zwischendurch wurde es für die erste Gruppe eine Tour im oberen Schwierigkeitsgrad, von Pannen und Pech begleitet. Wohl oder übel verharrten die beiden anderen Gruppen am Stützpunkt in stoischer Geduld, aber mit fortschreitender Zeit in genervter Langeweile. Endlich nach ca. 4 Stunden am ersehnten Ziel mit gereizter Laune angelangt wurde die Gruppe nicht gerade mit einem Überschwang an mitfühlender Herzlichkeit empfangen. Derweil hatte die dritte Gruppe die wunderschöne Umgebung am Kap Kamenjak bis hin zum südlichen Traumstand mit seiner Cocktailbar erkundet und fand den Weg aus diesem Paradies nur schwer wieder heraus. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, dass die zweite Gruppe die Bikes nach Medulin zurück fahren sollte. Dieser Rückweg gestaltete sich als radfahrerfreundlich, weil schneller, weil kürzer, sodass am Ende allen Schülern und Schülerinnen genug Zeit zur Verfügung stand, sich mal wieder in Ruhe auf den 43iger vorzubereiten, der mittlerweile zu einer liebgewordenen Kultstätte mit Seltenheitswert geworden war. Kroatiens Landschaften wussten nicht nur die Filmemacher der Winnetou-Filme zu schätzen, sondern auch der Gruppe genügte sie nicht mehr nur in ihrer Oberfläche, es reizte sie die Gelegenheit, Kroatien aus der Maulwurfperspektive zu betrachten. Daher wurde am Dienstag die Möglichkeit zum Besuch einer Tropfsteinhöhle wahrgenommen, die unter sachkundiger und z.T. auch humoristischer Leitung stattfand.

Der olympische Gedanke stand dann nachmittags im Mittelpunkt gemeinsamen Tuns. Betreut von einem ambitionierten Trainerstab liefen Schüler und Schülerinnen in einem abgegrenzten Terrain unter vorgegebenen Regeln hin und her, wobei sie sich dabei einen dünnen Faden vom Trikot reißen mussten. Für manches Trikot war es der letzte Einsatz, ohne dass zu viel nackte Haut zum Vorschein kam. Doch nicht nur das: Die Schülergruppe trainierte sich im Elfmeterschießen. So mancher Ball wäre noch mehr im Netz versenkt worden, wenn der Schütze nicht arge Koordinationsschwierigkeiten gehabt hätte. Ein Schelm ist, der sich jetzt etwas Verbotenes dabei denkt. Die Schützen mussten zunächst mit dem Finger auf eine Flasche zeigend 10mal um eben diese laufen und augenblicklich schießen. Der eine oder andere kniete sich aber vor dem eigentlichen Schuss erst aus lauter Begeisterung vor den Ball oder ging zur allgemeinen Erheiterung sogar komplett zu Boden, bis es dann endlich zum Schuss kam. Und dann war es langsam wieder Zeit für den 43iger. Das Schwimmen im Mittelmeer war der Gruppe untersagt, da die See zu rau, das Meer zu tief und die Fische zu gefräßig waren.

Doch irgendwie musste dennoch eine intensive Beziehung zum türkisfarbenen Meer aufgebaut werden. Also ging die gesamte Besatzung am Mittwoch an Bord. Nachdem sich die Schülerschaft durch Kirschsaft mit ganz wenigen Knoten gestärkt hatte, stach der Hochseekutter unter großem Beifall des Hafenpublikums in See. Das Festland konnte nur noch schemenhaft am Horizont entdeckt werden, als uns plötzlich lebendige Fische im Wasser begleiteten, die zuvor völlig unauffällig gefüttert worden waren. Da der Sturm immer stärker aufbrauste und die Wellen über die Planken schlugen, sodass erste Besatzungsmitglieder zu triefen begannen, sah der Kapitän keinen anderen Ausweg, als den nächsten Strand anzusteuern. Hier verließ die komplette Crew das Schiff und wandelte auf festem Boden auf den Wegen der Dinosaurier. Als die Mannschaft nach dieser Reise in die Vergangenheit wieder aufs Schiff zurückkehrte, wartete bereits ein exquisites barbecue manöver auf die hungrigen Seelöwen. An Hamburgern und eiweißhaltigem Hähnchenfleisch konnte sich so mancher Leichtmatrose mit seinem gestählten Körper erlaben. Die Vitaminzuvor erfolgte durch reichhaltig dargebotenem Krautsalat. Kontraproduktiv und eigentlich völlig überflüssig für die üppigen McFit-Körper war dann der Anteil an Fladenbrot. Einige Besatzungsmitglieder warfen aufgrund vorgetäuschter gegenläufiger Magenbewegungen immer wieder einen sehnsüchtigen Blick auf den eingangs erwähnten „Kirschsaft“, doch die Dame aus der Kombüse blieb so hart wie der Fels, an dem einst die Titanic gescheitert war. Der “Segeltörn Kroatien mit Kleinkreuzer“ zurück ans Festland in Medulin entwickelte sich ausgesprochen aufregend, da der Wind orkanartige Dimensionen annahm, der Kutter in bedrohliche Schieflage geriet, Rettungswesten über Bord gingen und sich die Besatzung unter Aufbietung all ihrer Kräfte an der Reling geradezu anketten musste, um nicht den Seepferdchen gleich auf Tauchstation unterhalb des Bootes zu gehen. 40 Knoten hatte der Sturm erreicht, als wir im rettenden Hafen vor Anker gehen konnten. Kreidebleich war die Gesichtsfarbe einiger Besatzungsmitglieder und mit weichen Knien zogen sie zurück zur Ferienanlage in Medulin. Das einzige, was sie nun wieder zur Ruhe kommen und die Schrecknisse auf hoher See vergessen ließ, war die Gewissheit, dass sich in wenigen Stunden zu einem weiteren, aber letzten Mal der 43iger öffnen würde, das Nirwana, das die belastete Seele von allen Übeln dieser Welt befreit. Um Mitternacht kam es erneut zu einem musikalischen Höhepunkt. Es durfte wenige Tage zuvor nicht nur die Volljährigkeit gebührend gefeiert werden, jetzt war das Erreichen des 33. Lebensjahr angesagt. Die Schülergruppe zusammen mit den Begleitlehrern stellte sich vollständig und locker auf, um ihrer Lieblingslehrerin ein Ständchen zu bringen, das ihr in ewiger Erinnerung bleiben wird.

Nach gefühlten 30 Sekunden hatten alle den richtigen Ton gefunden und sangen, als ginge es um ihr eigenes Leben. Doch damit nicht genug, es sollte noch ein Kanon desgleichen Liedes folgen, der so inbrünstig und voller tonaler Harmonie vorgetragen wurde, dass er die Sorgen des Geburtstagskindes über die Zunahme an Alter für den Augenblick seiner Dauer vergessen machte. Vor Ort endete das Unternehmen Kroatien - immer eine Reise wert, mit einer großangelegten Aufräum- und Saubermachaktion. Sollten die Häuptlinge des 43igers den Zustand ihres Wigwams so wieder hinbekommen, dass kein Industriereinigungsunternehmen eingreifen musste? Gab es wirklich noch eine Chance, ihn wieder so aufzubereiten, dass er mit gutem Recht Appartement genannt werden konnte. Die Häuptlinge schlossen erste Darlehensverträge ab, weil sie die Renovierungsmaßnahmen mit ihrem spärlichen Taschengeld meinten, nicht tragen zu können. All dies - reine Spekulation und weit an der Realität vorbei! Der 43iger bekam als erster den Strich, der eine Spitzensauberkeit attestierte. Dies war die Hürde für die weiteren Appartements. Was jetzt folgte, stellte keine Herausforderung mehr dar. In der Zwischenzeit hatte Elwis seinen Bus für die Rückfahrt vorbeireitet.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge wurde das Gepäck im Bus verstaut und die Rückreise begann unwiderruflich. Ein einziger Stau an der österreichisch-deutschen Grenze verhinderte eine völlig reibungslose Fahrt. Ansonsten stand „schlafen, schlafen, schlafen“ im Mittelpunkt der Rückreise. Abschließend kann sicher gesagt werden, dass die Neugierde aller Beteiligten, was die kulturellen, kulinarischen, landschaftlichen und mediterranen Highlights Istriens angeht, sicher absolut zufrieden gestellt wurde. Die Stimmung war dank des Engagements aller an der Studienfahrt beteiligten Personen super. Es war keine Absch(l)ussfahrt, denn alle können sich mit Sicherheit erinnern, dabei gewesen zu sein.

Kroatien, darin kommt die ganze Gruppe überein, ist immer eine Reise wert.