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"Nach dem Sozialpraktikum kehrst Du reicher in Dich zurück"

David Widuch, 16 Jahre, Abtei-Gymnasium, war über zwei Wochen und zwei Tage im Sozialpraktikum in der Tagesstätte der PHG in Hamborn. Im Anschluss ans Praktikum fahren alle Schüler drei Tage weg, in die Reflexionstage zur Auswertung der Erfahrungen und Erkenntnisse. Das Sozialpraktikum ist eine Pflichtveranstaltung. Fast 100 Schülerinnen und Schüler des Abtei-Gymnasiums gingen ins Praktikum, z.B. in Altenheime, in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung oder in Krankenhäuser.

David Widuch wollte sein Praktikum in der Tagesstätte der PHG absolvieren, das war seine erste Wahl und die Schule hat ihm den Platz zugewiesen. Er war neugierig, wollte wissen, „ob die Menschen mit psychischer Erkrankung tatsächlich andauernd ausrasten, um sich schlagen und schreien, Amoklaufen, so wie man sich das aus den Medien eben vorstellt." In der Praxis sah das dann ganz anders aus. In der Praxis hat er erfahren, dass hier die Menschen, die aus der Bahn geworfen worden sind, wieder sinnstiftende Ordnung, Tagesstruktur und Unterstützung bekommen.

David hat die Klienten ein wenig kennengelernt, als sehr nette Menschen, die ihn als Praktikanten aufgenommen und mit einbezogen haben. Sein Eindruck: „Es geht den Klienten hier gut, sie sind überwiegend zufrieden, manche kämen sogar auch gerne am Wochenende in die PHG, weil ihnen dann nämlich auch schon mal die Decke auf den Kopf fällt, sie nichts mit sich anzufangen wissen."

In zwei Arbeitsbereiche in der Tagesstätte konnte David reinschnuppern, in die Küche und in die Pappe- und Papierwerkstatt. Er sagt: „Küchenarbeit ist keine Strafarbeit, sondern etwas Gutes, man lernt dabei Ordnung und strukturiertes Arbeiten, man kann dabei kochen lernen, kochen auch für sich selbst, die Klienten tun dabei etwas für sich, tun etwas Sinnvolles, etwas Gutes." Und in der Pappe- und Papierwerkstatt wird die Zusammenarbeit geübt, für die, die das wollen und können; es entsteht Teamwork, in der sie sich auch gegenseitig helfen und unterstützen; man muss sich bei der Arbeit organisieren, sich mitteilen und absprechen und außerdem schafft man ein gemeinsam geschaffenes Produkt, das hat ihn beeindruckt.

Der Praktikant hat eine neue Funktion von Arbeit kennengelernt, er hat eine neue Einstellung zur Arbeit gewonnen: „Arbeit schafft Orientierung und fordert Struktur und sie ist Wert und vermittelt Selbstwert und schafft soziale Kontakte, das war mir vor dem Praktikum so nicht klar."

Durch das Praktikum hat David seine Vorurteile korrigiert, er dachte über die Menschen mit psychischer Erkrankung, z.B. dass sie nicht viel begreifen und dass sie verschlossen seien und eher nur für sich sind. Und er hat einiges von den Klienten erfahren über deren psychische Erkrankungen, wie sie damit zurechtkommen, wie sie die normalen Menschen finden, welche Perspektiven sie haben, was sie sich von anderen wünschen, nämlich dass sie eigentlich nur „normal" behandelt werden wollen.

Aus: InfoBox der PHG Duisburg, 26. Ausgabe, März 2012, Seite 4 und 5, mit freundlicher Abdruckerlaubnis der Psychiatrischen Hilfsgemeinschaft Duisburg gGmbH