Am 28.09.2026 hat am Abtei-Gymnasium Duisburg-Hamborn zum zweiten Mal der Aktionstag „Das Abtei setzt Zeichen!“ stattgefunden. Dieses Jahr stand er unter dem Motto „Für die Würde“.
Gerade in diesen Zeiten ist es wichtig, dass wir Demokratiebildung im schulischen Kontext lebendiggestalten und erleben.
An dem Tag organisierten alle Lehrerinnen und Lehrer Workshops, in denen sich die Schülerschaft mit demokratiezersetzenden Mechanismen auseinandersetzte. Die Schülerinnen und Schüler wurden dafür sensibilisiert, diese im Alltag zu erkennen und ihnen aktiv zu begegnen. Dazu zählen alle Formen des Menschenhasses. Themen, die wir – besonders in unserer Haltung als christliche Schule - sehr ernst nehmen!
In 28 verschiedenen Workshops haben sich die Teilnehmenden mit Themen wie dem Umgang mit Verschwörungstheorien, Hass im Netz, Frauenhass, Islamfeindlichkeit, u.v.m. kreativ auseinandergesetzt. Dabei wurden Filme gedreht, Kunstwerke erstellt, Biografie-Kisten gebastelt, Plakate zum Umgang mit rechten Parolen gestaltet und Fotoserien gemacht und ein riesiges Graffito von den Schülerinnen und Schülern selbst angefertigt. Eine SchülerInnengruppe erfuhr anhand eines Online-Games, welchen Mechanismen Radikalisierung folgt.
Viele externe Referenten und Vereine haben die Schule mit zusätzlichen Workshops unterstützt und diesen Tag bereichert:
Der ehemalige Abtei-Schüler und Bundesverdienstkreuzträger Burak Yilmaz arbeitete mit den Schülerinnen und Schülern zum Thema Radikalisierung.
Das Ensemble von Fetter Fisch Theater erklärte mit seinem Stück „Demokratissimo“ Demokratie in Form einer interaktiven Kochshow für die Jüngsten. Reinrufen und Mitmamachen erlaubt! Das haben sich die Fünftklässler nicht zweimal sagen lassen. Am Ende wurde sogar gemeinsam gegessen. Für jeden war etwas dabei, denn jeder darf mitreden!
Das Zentrum für Erinnerungskultur und Menschenrechte Duisburg lud gleich zu drei Workshops ein, u.a. zum Thema koloniale Spuren in Duisburg.
DDR-Zeitzeuge Andreas Herzog vom NRW-Zeitzeugenprojekt berichtete über das Leben in der DDR und die Haft im Stasi-Gefängnis. „Es ist etwas ganz anderes, Geschichte von denen zu hören, die sie selbst erlebt haben“, erklärte ein Schüler der 8. Klasse nach dem eindrücklichen Gespräch.
Der Bund der Deutschen katholischen Jugend hat es ermöglicht, mit Hilfe eines Künstlers, ein weiteres Graffito für unsere Schulhofmauer zu designen. Die Schülerinnen und Schüler durften selbst Hand anlegen und wurde zu Street Art Künstlern. Auf der Wand steht für alle gut lesbar: „Wir sind wertvoll!“ Und genau darum ging es an diesem Tag.: Würde bedeutet, dass wir alle wertvoll sein, eben weil wir Menschen sind. Das zeigen wir uns jeden Tagh aufs Neue, indem wir uns gegenseitig respektieren, uns gegen Unrecht einsetzen, wo wir es sehen und unsere Stimme nutzen!
Christiane Pflug-Schimmel vom Integrations- und Gleichstellungsbüro der Bezirksregierung Düsseldorfsprach mit den Schülerinnen und Schülern über „kritisches Weißsein“. Dort hinterfragen die Teilnehmenden unbewusst ausgelebte Privilegien der weißen Community.
In der katholischen Akademie Wolfsburg wurde gemeinsam mit Dr. Darjusch Bartsch, Lehrstuhl für Islamische Theologie und Religionspädagogik der Universität Münster, zu Eigenschaften und Mechanismen von Islamfeindlichkeit gearbeitet. Die Schülerin Melissa erklärt während des Workshops: „Als Muslima bin ich selbst daran interessiert, zu erfahren, was antimuslimischer Rassismus überhaupt ist und warum andere Menschen antimuslimischen Rassismus äußern. Ganz konkret: Wie entstehen die unterschiedlichen Eindrücke bezogen darauf, was eigentlich normal ist.“
Ratsherr Frank Heidenreich und sein Team haben eine Gruppe im Duisburger Rathaus die Abläufe erklärt. Wie Demokratie in der eigenen Stadt funktioniert, lernten die Schülerinnen und Schüler dann live in der anschließenden Ratssitzung.
Über Toleranz und Vielfalt sprachen die Kollegen von Wegweiser mit den jüngeren Schülerinnen und Schülern.
Mehr über das Leben in der NS-Zeit in Hamborn lernten Teilnehmende im Workshop des Heimatvereins Hamborn. Anhand von Originalquellen rekonstruierten sie eigenständig Biografien und Geschichten aus dem Stadtteil. Ein Schüler der 9. Klasse beschreibt seinen Eindruck: „Es ist ganz anders, wenn man weiß, dass so etwas auch vor unserer Haustür stattgefunden hat. Man hat da gleich einen ganz anderen Bezug zu, denn man erkennt die Gebäude und weiß – das war genau hier, wo ich jetzt stehe."
Mit Mabilda e.V. sprachen Schülerinnen ganz offen über Frauenhass und -diskriminierung und wie sie ihn erleben. Ein Thema, mit dem sie sich bewusst selten auseinandersetzen. Auf Plakaten halten sie fest, was sie bewegt, wie z.B. die „Pink Tax“, von der viel zuvor noch nie gehört hatten.
Mit drei Gästen von Meet a Jew erfuhren die Teilnehmenden wie der Alltag der jüdischen Community in Deutschland aussieht und sie bewegt. Ganz offen konnten sie ihre Fragen stellen. Im Anschluss gab es sogar einen Zoom-Call nach New York, um dort mit Alex, einem Mitglied der jüdischen Community dort über seine Alltagserfahrungen und die Wahrnehmung des Judentums in der amerikanischen Gesellschaft zu sprechen.
Mit dem Projekt un(d)gebildet startete am Aktionstag ein langfristiges Kunst- und Medienprojekt zur Zivilvourage in der cubus-kunsthalle, an dem die Teilnehmenden über die kommenden Monate hinweg in ihrer Freizeit weiterarbeiten werden. Am Montag entstanden bereits sehenswerte Kurzfilme und Plakate.
Der Aktionstag wurde gefördert mit Mitteln der Jugendstiftung des Bistums Essen. Wir danken herzlich für die Unterstützung dieser wichtigen Arbeit.
Das Graffito an der Schulhofmauer erinnert die Schulgemeinschaft fortan jeden Tag: „Wir sind wertvoll!“, denn das bedeutet Würde. Würde bedeutet, dass jeder Mensch seinen Wert hat, einfach er oder sie Mensch ist. Diesen Wert erhalten wir uns, indem wir uns gegenseitig mit Respekt und Toleranz begegnen und jedem Menschen seinen Wert spiegeln.