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Bericht über unseren Besuch im Kamp Vught

Auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Herzogenbusch, auch bekannt als Kamp Vught, einem der fünf deutschen Konzentrationslager in den Niederlanden, befindet sich heute die Gedenkstätte Vught. Von Januar 1943 bis September 1944 befanden sich dort 31 000 Menschen, 750 starben aufgrund von Hunger, Krankheiten, Misshandlungen oder wurden auf dem Exekutionsplatz in der Nähe des Lagers exekutiert. Unter den Gefangenen waren Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Kriminelle, Homosexuelle und politische Gefangene. Im Gegensatz zu den 12 000 verhafteten Juden wurden sie teilweise nur befristet inhaftiert. Der Großteil der inhaftierten Juden wurde in Vernichtungslagern ermordet.

Die Gedenkstätte zeigt nur einen kleinen Teil des damaligen Lagers. Es befinden sich dort noch drei nachgebaute Wachtürme, eine nachgebaute Baracke und das Krematorium. Die Baracke verdeutlicht, wie schlecht die Lebensbedingungen für die Inhaftierten waren. Schlafplätze in mehreren langen Reihen von dreistöckigen Betten, deren "Matratzen" mit Heu gefüllt waren, für die Menge an Menschen zu kleine Waschräume mit ausschließlich kaltem Wasser und täglich drei Mahlzeiten (morgens heißes Wasser, mittags Suppe und abends eine Scheibe Brot), die zusammen nicht einmal ganz einer unserer Mahlzeiten entsprechen. Bei Ankunft wurde jedem Inhaftierten sein Besitz genommen, jeder erhielt einheitliche Kleidung, sodass auch keine Verstauungsplätze nötig waren. Kleinigkeiten wurden in den "Matratzen" versteckt.

Das Krematorium beinhaltet zwei Öfen, in denen die Leichen verbrannt wurden, die zuvor in einem speziellen Raum obduziert wurden. Die Ärzte protokollierten falsche Todesursachen, wie z.B. Herzfehler oder Lungenentzündungen, um die an den Menschen begangenen Verbrechen zu vertuschen.

Darüber hinaus wurde auf dem Gelände ein Kinderdenkmal errichtet, das an 1269 in Sobibor umgebrachte Kinder erinnern soll. Diese befanden sich nämlich erst im KZ Herzogenbusch, sollten dann aber in einem speziellen Kinderlager untergebracht werden. Da jedoch kein Kinderlager existierte, wurden sie mit Zügen in ein Vernichtungslager gebracht und dort ermordet.

Am Ende unserer Führung appellierte der Leiter an uns, wir sollten Diskriminierung stoppen, denn unter anderem dieses Konzentrationslager sei ihr Ergebnis. Und diese Worte haben sich in unseren Köpfen eingebrannt, denn sie sind sowohl wahr als auch sehr wichtig.

Wir haben alle gewisse Vorurteile gegenüber bestimmten Personengruppen, doch wir sollten versuchen, nicht jedes Individuum auf Grundlage von Stereotypen zu verurteilen. Jeder Mensch ist anders, jeder hat eine eigene Geschichte, jeder Mensch ist besonders und kann mit seiner Erfahrung zu unserer Gesellschaft beitragen.

Und wenn man sich vor Augen führt, wie den Inhaftierten bei ihrer Ankunft im Lager mit dem Anlegen der einheitlichen Kleidung ihre Persönlichkeit genommen wurde, wie ihnen durch Misshandlungen gezeigt wurde, dass sie weniger wert wären, und wie die Bedeutung ihres Lebens komplett ausgeblendet wurde, als sie auf dem Leichenkarren gestapelt in das Krematorium geschoben wurden, als wären sie leere Blätter, dann verspürt man nicht nur Trauer, sondern auch Empörung: Wie konnte man nur zulassen, dass sowas passiert?!

Doch nun liegt es in unseren Händen, dafür zu sorgen, dass sich ein derartiges Unglück nicht wiederholt. Unser Beitrag dazu beginnt schon damit, dass wir unsere Mitmenschen respektieren. Die Besuche derartiger Gedenkstätten sind somit von größter Bedeutung, um aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Das Betrachten aus der Nähe gibt einen ausführlicheren Eindruck und regt mehr zum Nachdenken an, als Bilder und Texte in Schulbüchern.

Martha Manik