Direkt zum Inhalt springen

Nein, Menschen müssen dies hier fühlen können!

Ankunft in Birkenau. Kalt. Es schneit. Viele andere Menschen. Voller als in Auschwitz I. Irgendwie zu voll. Gehen mit unserer Gruppe in einen der Türme, die das Lager umranden. Blick auf die Rampe. Viele Menschen. Dennoch kann man es sehen. Und hören. Ein Zug, der ankommt. Die Vorstellung, die man vielleicht schon vor dem Besuch hatte. Wie die Menschen hier ankommen. Die Vorstellung wird vorstellbarer. Fast realistischer. Diejenigen die sterben in die eine; die Aufgeschobenen in die andere Richtung. Aufgeschoben nicht aufgehoben. Das Grauen erwartet sie.

Die erste Baracke. Viele dreistöckige Betten. Ein langer Ofen. Er zieht sich durch den ganzen Raum. Gefangene müssen trotzdem gefroren haben, denn Kohle gab es kaum.

Wir gehen weiter. Anderer Bereich. Andere Baracke. Wieder dreistöckige Pritschen. Jemand hat auf eine der Pritschen eine Blume gelegt. Etwas Erwärmendes.

Später am Denkmal für die Opfer. Mehr Blumen. Mahnende Tafeln in vielen Sprachen.

In der Nähe zerstörte Krematorien. Von der SS gesprengt. Man muss sich also im Klaren darüber gewesen sein, dass man schreckliche Fehler begangen hat.

In den Gebäuden übriggebliebene Habe der Opfer. Zu real. Alles fast schon unglaublich lebensnah.

Ein paar von uns gehen zum Sinti und Roma Denkmal. Ein verschneiter Gedenkkranz.

Es wird dunkel. Niemand mehr außer uns. Gespenstische Stille. Inmitten einer solchen Anlage. Totenstille.

Justin, 2018

 

Wir werden begrüßt von einem großem Tor. Vor diesem befindet sich eine schwarz-weiß gestreifte Schranke mit der Aufschrift: “Halt! Stoj!” (wobei das Polnische eher für Neuankömmlinge im KZ gilt, denn alle mussten sofort Deutsch Sprechen und Verstehen können).

Über dem Tor sieht man das ironische Motto, das von dem Naziregime bei den KZs verwandt wurde: “Arbeit macht frei!”

Von links tut sich ein großes Backsteingebäude auf, welches das Verwaltungsgebäude der stationierten SS-Leute war. Rechts sieht man die ersten Backstein Baracken, die für die Gefangenen des Lagers bestimmt waren sowie einen Teil des Zaunes. Der Zaun besteht eigentlich aus zwei Zäunen Stacheldraht und stand unter Strom. Er umkreist das komplette KZ und wurde von in regelmäßigen Abständen aufgebauten Wachtürmen bewacht. Zwischen dem Zaun und der bebauten Fläche liegt ein weißer Streifen welcher “neutrale Zone” genannt wird. Jeder der sich nach dieser Zone auf den Zaun zubewegt hat wurde erschossen.

Wir gingen weiter in das Innere des Lagers. Nun erstrecken sich einige Backstein Baracken in beide Richtungen. In diesen Baracken erschließen sich uns die schrecklichen Bedingungen, unter denen die Gefangenen leben mussten.

Zu den eindrücklichsten Ausstellungen zähle ich die die zahlreichen Bilder von den Gefangenen sowie die letzte Baracke, in der sämtliche Reden der Nazis sowie Tagebücher von Gefangenen und Bewohnern um dem KZ herum illustriert wurden.

Zuletzt wurden wir zu einer Gaskammer gebracht, die man frei betreten konnte. Als man diese betrat, merkte man sofort wie die Luft unangenehm wurde. Es bedrückte einen dort zu stehen, wo damals 77 Leute auf engstem Raum ermordet wurden, ohne jegliche Chance zu fliehen.

Inzwischen wurde es dunkel und wir waren die letzte Gruppe im KZ. Dieses Gefühl von Kälte und Einsamkeit ließ mich erschaudern.

Marcel, 2018